
Von Ulrich Milde
Delitzsch. Es war eine Mischung aus Wehmut und Vorfreude. Zehn Jahre hatte der NHV Concordia Delitzsch in der Regionalliga gespielt. Beim SV Oebisfelde traten die Nordsachsen am Samstag zum letzten Mal in dieser Staffel an und verabschiedeten sich mit einem 30:30 (16:16). Denn sie stehen schon lange als Meister und Aufsteiger in die dritte Liga fest. „Ich habe die vergangenen Saisons schon ein wenig Revue passieren lassen“, berichtete NHV-Trainer Jan Jungandreas über diese Zeit, die er maßgeblich geprägt hat. Schließlich ist es ihm gelungen, ein Team zu formen, das jetzt den Titel verteidigte und in der nun beendeten Spielzeit die „mit Abstand die beste Mannschaft“ gewesen sei, wie es SV-Coach Christian Herrmann formulierte.
Ein paar Zahlen und Fakten bestätigten diese Einschätzung. Die Concorden holten 53:7 Punkte. Der Zweite, der HC Elbflorenz II, kam etwas abgeschlagen auf 47:13 Zähler. Auch das Torverhältnis von 988:780 – ein Plus von 208 – drückt die Überlegenheit aus. Damit stellt der Verein die beste Defensive und den zweitbesten Angriff. Letzteres allerdings nur, weil die mit 35:27 gewonnene Partie bei der HSG Freiberg später mit 0:0 Toren und 2:0 Punkten für den NHV gewertet wurde. Die Gastgeber hatten einen nicht spielberechtigten Akteur eingesetzt. Ohne diesen Fauxpas wäre die Delitzscher Offensive vor dem SV Anhalt Bernburg (989 Tore) gelandet und hatte die Marke von 1000 Treffern geknackt.
Erfolgreichster Delitzscher Totschütze war Tom Hanner (184 Treffer), gefolgt von Max Amtsberg (156), Dominik Eckart (156) und Jacob Griehl (104). Den Titel als Zeitstrafenkönig des NHV holte sich Thomas Oehlrich mit 24 Hinausstellungen in den 26 Begegnungen, in denen er dabei war. Ausbaufähig ist dagegen die Zuschauerzahl. Im Schnitt kamen 365 zahlende Gäste, das ist ligaweit Rang vier. Allerdings werden die Vereinsmitglieder, sie haben freien Eintritt, nicht mitgezählt.
Die Geschichte vom Duell in Oebisfelde ist schnell abgehakt. Für beide Klubs ging es um nichts. „Es war ein bisschen die Luft raus“, kommentierte Jungandreas, der auf die Stammspieler Vincent Viehweger, Niklas Zierau, Niklas Seifert, Martin Bielicki, Dominik Eckart und Thomas Oehlrich verzichten musste. „Es war sehr zerfahren“, meinte Linksaußen Moritz Schwick. Zwar lagen die Delitzscher rasch vorne, „wir hatten die Auseinandersetzung eigentlich unter Kontrolle“. Aber es habe dann genug Phasen gegeben, „in denen wir nicht gut waren und die letzte Konsequenz gefehlt hat“. Folglich kam der SV immer wieder heran und schaffte so das Unentschieden.
Bei aller Retrospektive – bei Jungandreas „überwiegt die Freude auf die kommenden Herausforderungen“. Ob Schwock, der laut seinem Übungsleiter in Oebisfelde ein „überragendes Spiel“ mit sieben Toren hingelegt hatte, nach dem Aufstieg dabei sein wird, steht noch nicht fest. „Er würde uns guttun“, meinte der Chefcoach. „Meine finale Entscheidung ist noch nicht gefallen“, sagte der 24-Jährige. Er studiert Informatik an der Universität Leipzig und arbeitet zugleich als Werkstudent. Da ist der Terminkalender voll. Es habe ihm aber beim NHV gefallen, vor allem die familiäre Atmosphäre. „Delitzsch hat sich von seiner besten Seite gezeigt“, sagt Schwock und fügte vielsagend hinzu: „Das macht Spaß auf mehr.“
NHV: Neuhäuser, Alpers, Ramos Schwirtz; Amtsberg (5), Prautzsch (2), Birke, Schmidt (2), Griehl (2), Hanner (7), Reinhardt (4), Schwock (7), Teichert (1), Wächter.
