Delitzschs Dominik Eckart nimmt im Spiel gegen die HSG Freiberg Maß und versenkt den Ball.

Auf dem Weg gen Liga drei: Trotz Verletzungsmisere gewinnt der NHV Delitzsch souverän gegen die HSG Freiberg. Angesichts des ausgeglichen besetzten Kaders schwärmt sogar Nordsachsens Landrat von der neuen Concordia.
Der NHV Concordia Delitzsch muss auf vier Langzeitverletzte verzichten: Niklas Zierau (Knie) und Vincent Viehweger (Fuß) haben in dieser Saison noch keine Sekunde gespielt, Niklas Seifert (Mittelfußbruch) und Martin Bielicki (Schulter) zogen sich in der Rückrunde ihre Blessuren zu. Doch auf die Leistung und die Ambitionen des Kaders wirkt sich das meistens nicht aus. So setzte sich das ersatzgeschwächte Team am Samstag in eigener Halle gegen die HSG Freiberg klar mit 39:27 durch und behauptet souverän die Tabellenführung.
Von Meisterschaft und Aufstieg in die dritte Liga wollten die Spieler trotzdem nicht viel wissen. „Wir haben noch vier Begegnungen, da kann alles passieren “, mahnte Jacob Griehl. „Noch sind wir nicht durch“, ergänzte Jacob Birke. Es wäre ideal, wenn in knapp 14 Tagen daheim gegen den Verfolger HC Elbflorenz II alles klar gemacht werden könne, so der 22-Jährige. Trainer Jan Jungandreas winkte ab. „Nächstes Wochenende spielen wir in Plauen.“ Erst danach mache er sich Gedanken über die Partie gegen die Dresdner.
Birke und Griehl stehen exemplarisch dafür, warum dem Handball-Regionalligisten das Aufrücken in die höhere Staffel kaum noch zu nehmen ist. Beide kamen gegen die HSG zu vielen Spielanteilen und ließen die Ausfälle weitgehend vergessen. „Es ist schön, das Vertrauen zu erhalten“, sagte Griehl. Obendrauf setzte Jungandreas mit Espen Raab und Malte Wächter zwei Anschlussaktive aus der zweiten Mannschaft ein.
Griehl überzeugte dabei als Spielmacher, zudem hat er in den vergangenen fünf Partie 12 von 15 Strafwürfen verwandelt. Das entspricht der Top-Quote von 80 Prozent. Birke zeigte in der Defensive eine starke Leistung und wurde auf der für ihn ungewohnten Linksaußenposition eingesetzt, wenn Niclas Reinhardt eine Pause benötigte. „Eigentlich habe ich da nie gespielt“, sagte Birke, der sonst im linken Rückraum Zuhause ist. Das hinderte ihn nicht daran, zwei Tore zu erzielen.
Zum Spieler des Abends kürte der Fanclub „Loberhaie“ Reinhardt. Der 23-Jährige bewies seine Vielseitigkeit: Er begann auf Linksaußen, wechselte später ganz nach rechts und sorgte im rechten Rückraum, dafür, dass Torjäger Tom Hanner kurze Erholungsphasen erhielt. „Ich fühle mich auf allen drei Positionen wohl“, kommentierte Reinhardt und verkündete, dass er „richtig Bock“ auf die dritte Liga habe. „Ich freue mich sehr auf das Erlebnis dort“, ließ sich Griehl entlocken.
Jungandreas vertraute seinem Kader so sehr, dass er zu Beginn der zweiten Halbzeit – mit einem 22:16-Vorsprung im Rücken – seine drei besten Torschützen Tom Hanner (153 Treffer), Dominik Eckart (152) und Max Amtsberg (140) gleichzeitig auf die Auswechselbank beorderte. Sie stehen mit ihren 445 Toren für etwas mehr als die Hälfte der 870 Treffer. Der Überlegenheit der Gastgeber tat dieses keinen Abbruch.
Einen „verdienten Erfolg“ der Concorden sah somit der Freiberger Landrat Sven Krüger. Sein Verein habe sich als Aufsteiger wacker geschlagen. Nordsachsens Kreischef Kai Emanuel, wie Krüger ein ehemaliger Handballer, sprach von einer „souveränen Leistung“ der Nordsachsen. Mit Blick auf die dritte Liga „spüre ich einen guten Geist im Verein“. Es werde mit Sicherheit „eine spannende Saison“. Und irgendwie kommen Erinnerungen an große Zeiten des Vorgängervereins SV Concordia Delitzsch hoch, der es einst unter Uwe Jungandreas bis in die Bundesliga schaffte. Auch wenn dessen Sohn Jan bekanntlich den Handball in Sachen Aufstieg gen 3. Liga (noch) sehr flach hält…
NHV Delitzsch: Neuhäuser, Alpers; Amtsberg (7), Prautzsch (4), Eckart (4), Birke (2), Schmidt (2), Oehlrich (2), Griehl (3), Hanner (8), Reinhardt (2), Raab (2), Teichert (2), Wächter
Text: Ulrich Milde / 13.04.2026 / Leipziger Volkszeitung
Foto: Jörg Weichelt
