Der NHV Delitzsch um Trainer Jan Jungandreas (r.) und Jacob Griehl (hier beim Saisonstart gegen Rostock) hat den ersten Punkt in Liga drei gefeiert.

Premiere für den Drittliga-Neuling: Trotz großer Personalsorgen hat der NHV Concordia Delitzsch beim 30:30-Remis in Hamburg gepunktet. Dabei avancierte ein Rückraumakteur in der Schlussphase zum Helden.

Jubelnd fielen sich Handballer des NHV Concordia Delitzsch nach dem Schlusspfiff in die Arme. Schließlich hatten sie am Freitagabend mit dem 30:30 bei der HG Hamburg-Barmbek überraschend einen Punkt geholt. Es war der erste Zähler des Aufsteigers überhaupt in der dritten Bundesliga.

„Wir freuen uns riesig“, sagte Trainer Jan Jungandreas. „Wir haben in dieser Auswärtspartie einen guten Auftritt hingelegt“, bilanzierte er. Es sei „auf jeden Fall“ ein schönes Gefühl, berichtete Rückraumakteur Rune Klecar. Es sei wichtig, dass die Nordsachsen in der zweiten Begegnung den ersten Punkt geholt hätten. „Wir haben es uns verdient.“ Offenkundig sind die Concorden auf ihrem Weg, sich an die neue, höhere Spielklasse zu gewöhnen, einen wichtigen Schritt vorangekommen.

Nur zehn Feldspieler reisen mit nach Hamburg
Dabei sprachen die Umstände gegen den Neuling. Tom Hanner (erkrankt), Moritz Schwock (Arbeit) sowie Niclas Reinhardt (verletzt) fielen aus. Auf die Langzeitblessierten Niklas Seifert, Vincent Viehweger, Martin Bielicki und Niklas Zierau musste der Trainer ohnehin verzichten. Der Rumpfkader bestand neben den drei Torhütern Max Neuhäuser, Denny Alpers und Marian Voigt somit aus nur zehn Feldspielern.

Doch der Spielfreude der Gäste tat dies vor der mageren Kulisse von 135 Zuschauern – davon 20 aus Delitzsch – keinen Abbruch. Klecar brachte den NHV in Führung, die Abwehr zeigte sich zweikampfstark, der Angriff konzentriert. „Wir sind gut in die Partie reingekommen“, blickte der 19-Jährige zurück. Folglich lag der NHV zur Halbzeit mit 14:12 in Front.

Nach dem Seitenwechsel hatten die Concorden zunächst große Schwierigkeiten, sich in der Offensive durchzusetzen. Zudem wurden gute Chancen vergeben. Obendrauf „haben wir uns einige Fehler zu viel geleistet“, sagte Klecar. So kamen die Hanseaten nicht nur zum Ausgleich, sondern zogen zwischenzeitlich auf drei Treffer davon und schienen auf der Siegesspur zu sein. Doch der Gast gab nicht auf. In dieser für ihn wegen der fehlenden Wechselmöglichkeiten kräftezehrenden Auseinandersetzung war es aber keine Alternative, die Flinte ins Korn zu werfen. „Es war zu spüren, dass die Jungs was holen wollten“, meinte Jungandreas.
 
Der Übungsleiter sah daher eine dramatische Schlussphase. Die Barmbeker schienen beim Stand von 29:27 auf der Gewinnerseite zu sein. Doch Gregor Hofmann sorgte per Siebenmeter für den Anschluss, die Hanseaten zogen wieder auf zwei Treffer weg. Sie hatten die Rechnung aber ohne Klecar gemacht. Der Neuzugang vom SC DHfK Leipzig, mit zehn Treffern der überragende Spieler, stellte quasi im Alleingang den Endstand zum 30:30 her. „Er hat viel Verantwortung übernommen“, lobte Jungandreas seinen Sportler, der nach der Rückfahrt am Samstag um vier Uhr in der Frühe wieder zuhause war.

Strapazenreich dürfte es auch am kommenden Samstag werden. Dann tritt der NHV beim TSV Altenholz an. Die Rand-Kieler, Vierter der vorigen Saison, gelten als einer der Meisterschaftsfavoriten. Da wird es schwer, erneut zu jubeln.

NHV Delitzsch: Neuhäuser, Alpers, Voigt; Amtsberg (5), Prautzsch (3), Eckart (5), Birke, Oehlrich, Griehl (3), Klecar (10), Brix (1), Hofmann (3), Teichert.

Ulrich Milde / 07.09.2026 / Leipziger Volkszeitung