NHV Concordia Delitzsch fährt mit dem 37:36-Erfolg den ersten Auswärtssieg in der dritten Liga ein.

Was für eine Szene! Kurz vor dem Abpfiff der Partie des NHV Concordia Delitzsch beim HV Grün-Weiß Werder bricht Niklas Seifert zum Tor durch, wird gefoult. Gedankenschnell schnappt der Kreisläufer sich den Ball, den Schlussmann Anton Pack in der Hand hält, rennt zum Neun-Meter-Linie, dreht sich um, wirft und trifft. Die düpierten Gastgeber schauen ohne Reaktion zu. Dieser Geniestreich zwei Sekunden vor dem Schluss bedeutet den 37:36-Erfolg der Concorden. Riesenjubel bei den Spielern und den mitgereisten Anhängern brach aus. Mit nun 7:11 Zählern rangieren die Nordsachsen auf einem guten zehnten Rang.
„Das war schon aufregend“, berichtete Seifert. Er habe dabei die noch verbleibende Spielzeit „nicht so auf dem Schirm gehabt“, räumte der 24-Jährige ein. „Es war eine Willensleistung“, freute sich Trainer Jan Jungandreas und sprach von einem „etwas glücklichen“ Sieg, der zugleich den ersten Auswärtsgewinn des Aufsteigers in der dritten Liga darstellt. „Das war extrem wichtig“, meinte der Übungsleiter über die zwei wichtigen Punkte im Kampf um den Klassenerhalt. Schließlich gehört der Gegner aus der Stadt vor den Toren von Berlin und Potsdam zu den Kontrahenten, gegen die was geholt werden sollte, damit der jetzigen Spielzeit in der Staffel weitere folgen.
Dabei waren die Voraussetzungen für Delitzsch alles andere als günstig. Zwar war Moritz Schwock nach abgelieferter und zeitaufwändiger Studienarbeit wieder dabei, dafür aber mussten aus Verletzungsgründen Thomas Oehlrich und Gregor Hofmann passen. Ebenfalls und schon seit Längerem auf der Ausfallliste standen Boris Teichert, Martin Bielicki, Niklas Zierau und Vincent Viehweger. So legten die Nordsachsen einen nervösen Start hin. In den ersten zehn Minuten leistete das Team sich drei Fehlpässe, weitere folgten. Zudem „haben wir uns einige Würfe zu schnell und unvorbereitet genommen“, kritisierte Jungandreas. Das führte dazu, dass Werder zwischenzeitlich auf vier Treffer davonzog und vor allem mit schnellen Kontern erfolgreich war. „Aber wir sind cool geblieben“, sagte der Chefcoach. So kam seine Mannschaft immer wieder heran. Mit 17:17 ging es zur Halbzeit in die Kabinen.
Nach dem Seitenwechsel setzte sich das, so Jungandreas, „zum Teil ziemlich wilde Spiel“ fort. Die Abwehr festigte sich, gerade im Positionsangriff war für die Brandenburger kaum ein Durchkommen. Zudem wartete Torwart Marian Voigt mit zahlreichen Glanzparaden auf. Auch von einer Manndeckung gegen Rune Klecar sowie Niklas Prautzsch und einem 7:6-Überzahlspiel der Grün-Weißen ließ der NHV sich nicht beeindrucken und gewann nicht unverdient.
Überragend war auf Delitzscher Seite Niklas Seifert, der in der Defensive stark agierte und im Angriff brandgefährlich war. „Seine Leistung war sehr, sehr gut“, lobte der Chefcoach. Dabei sei es dem Rückraum gut gelungen, ihn immer wieder in Szene zu setzen. „Wir haben eine gute Teamleistung gezeigt“, betonte Seifert. Überzeugend war auch der Auftritt von Dominik Eckart, der offenkundig seine Treffsicherheit wiedergefunden hat. „Er hat mit großer Konsequenz geworfen. Das freut mich“, sagte Jungandreas.
Am nächsten Samstag kommt es in eigener Halle zum Vater-Sohn-Duell gegen den EHV Aue. Er wird von der Ost-Trainer-Legende Uwe Jungandreas betreut. „Wir haben da nichts zu verlieren“, formulierte sein Sohn Jan. Schließlich haben die Erzgebirgler ein Mehrfaches des Concorden-Etats und befinden sich mit 15:3 Punkten auf dem dritten Platz. „Wir wollen allen zeigen, dass wir an uns glauben“, ergänzte Seifert. Und schickte eine Kampfansage nach Aue: „Ich denke, dass was geht.“
NHV: Neuhäuser, Alpers, Voigt; Seifert (11), Amtsberg (2), Prautzsch (1), Eckart (7), Birke, Griehl, Klecar (5), Brix (3), Hanner (5), Reinhardt (3), Schwock.
Text: Ulrich Milde
