Warum Vincent Viehweger den Aufstieg „natürlich mitgemacht“ hätte, aber über den Verzicht nicht wirklich traurig ist. Nebenbei hat sein Team den Vorsprung an der Tabellenspitze trotz Pause ausgebaut.

 „Nichts bringt uns auf unserem Weg besser voran als eine Pause.“ Auf den Handball-Regionalligisten NHV Concordia Delitzsch trifft dieser Spruch der englischen Dichterin Elizabeth Barrett Browning (1806 bis 1861) jedenfalls zu. Da hatte der Tabellenführer (28:4 Zähler) an den vergangenen beiden Wochenenden spielfrei – und baute den Vorsprung vor dem ärgsten Verfolger, HSV Bad Blankenburg, von einem auf fünf Punkte aus. Des Rätsels Lösung: Die Thüringer zogen sich zwei unerwartete Packungen zu. Erst unterlagen sie beim HC Elbflorenz II mit 26:29, dann verloren sie sensationell in eigener Halle gegen Aufsteiger HSG Suhl mit 29:30.

Vorzeitige Glückwünsche zur Meisterschaft lehnen die Concorden trotzdem ab. „Der Vorsprung gibt uns Sicherheit, aber Gratulationen nehmen wir erst an, wenn der Titel rechnerisch sicher ist“, sagt Trainer Jan Jungandreas. Auch Linksaußen Vincent Viehweger hebt warnend den Finger. „Es stehen noch genügend Spiele an, da müssen wir erst einmal unsere Pflichtaufgaben erfüllen.“ Und da warten auf den NHV noch einige dicke Brocken. So geht es noch zum derzeitigen Dritten, der SG Pirna/Heidenau, ebenso nach Bad Blankenburg. „Auch den HC Einheit Plauen sollten wir nicht unterschätzen“, mahnt Viehweger, der seit knapp drei Jahren in Delitzsch aufläuft und auf seiner Position unangefochten die Nummer eins ist.
Gegen die Vogtländer tritt der NHV an diesem Samstag in eigener Halle an, der Anpfiff erfolgt um 19 Uhr. Der Gast fällt durch Unbeständigkeit auf. „Das bedeutet, dass er auch Spitzenmannschaften ärgern kann“, betont Jungandreas und hofft, dass seine Spieler schnell wieder in den gewohnten Rhythmus kommen werden. „Wir wollen unser Polster behalten“, verkündet Viehweger. Schließlich lautet weiterhin das Ziel, die Meisterschaft zu erringen, auch wenn aus finanziellen Gründen der Aufstieg in die dritte Liga nicht wahrgenommen wird.
Was Viehweger wiederum sehr gelassen sieht: „Für mich ist der Aufstieg nicht relevant, ich hätte ihn aber natürlich mitgemacht.“ Zum einen hat er in seiner Zeit beim HC Elbflorenz II die dritte Liga schon erlebt, kann das auf seiner sportlichen To-do-Liste also abhaken. Zum anderen schrecken ihn die weiten Fahrten etwa nach Stralsund, Rostock und Schleswig-Holstein ein wenig ab. Denn der 24-Jährige hat auch so genug um die Ohren. Er studiert an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) in Leipzig Betriebswirtschaftslehre, schreibt im nächsten Semester seine Bachelor-Arbeit und arbeitet außerdem in der väterlichen Werbetechnik-Firma.
Beim NHV fühlt sich der 1,90 Meter große Sportler ausgesprochen wohl. „Er strahlt viel Ruhe aus und deckt wahnsinnig intelligent“, lobt sein Übungsleiter den „Ruhepol“ im Team. „Wir sind eine gute Gemeinschaft“, ergänzt Viehweger, der „sehr gerne“ in der Defensive agiert, denn diese gewinne Titel. Offensiv fällt er durch eine hohe Wurfeffizienz aus. Einziges Manko: „Er wünscht sich sicherlich mehr Anspiele“, vermutet Jungandreas. „Ja, da ist was dran“, räumt der Spieler ein, denn die Angriffe des NHV münden häufig in 1:1-Situationen im Rückraum, da sind die Außen zwangsläufig nicht so eingebunden. Viehweger stört das nicht sonderlich. „Solange der Ball im Tor landet, ist mir das egal.“


Ulrich Milde / 20.02.2025 / Leipziger Volkszeitung