Der NHV Concordia Delitzsch muss im Rennen um den Aufstieg in die dritte Liga auf Niklas Seifert verzichten. Beim 36:28-Sieg konnte das Team von Coach Jungandreas die Lücke schließen – ließ jedoch viele Körner auf der Platte.

 
Er humpelte Mithilfe von zwei Krücken in die Halle. Niklas Seifert vom Handball-Regionalligisten NHV Concordia Delitzsch hatte im Training ohne Fremdeinwirkung einen Mittelfußbruch erlitten. „Das ist halt leider passiert“, sagte der 23-Jährige, „ich kann es nicht ändern.“ Der Kreisläufer musste somit am Samstag im Punktspiel gegen den SV Grün-Weiß Wittenberg auf der Zuschauertribüne Platz nehmen und dürfte für den Rest der Saison ausfallen. „Das ist großer Mist, er ist einer unserer wichtigsten Spieler“, ärgerte sich Trainer Jan Jungandreas über das Missgeschick – gerade jetzt, wo die Saison in die heiße Phase einbiegt und nur noch acht Partien zu bestreiten sind.

Gegen den Gegner aus der Lutherstadt kompensierten die Nordsachsen Seiferts Aus aber, setzten sich mit 36:28 durch und bleiben mit 43:1 Punkten an der Tabellenspitze. Der Zweite, der HC Elbflorenz II, liegt acht Zähler dahinter und hofft auf eine Schwächephase des amtierenden Meisters, um ihn doch noch zu überholen. Dabei hatte der Ausfall schon sichtbare Auswirkungen.

Normalerweise teilen sich Niklas Seifert, Thomas Oehlrich und Boris Teichert die anstrengenden Defensiv- und Offensivaufgaben und jeder der drei kann so in den Genuss der notwendigen Erholungspausen kommen. Diesmal fielen diese für Oehlrich und Teichert deutlich kürzer aus. „Das war für sie schon sehr kräftezehrend“, meinte Torwart Max Neuhäuser. Von einer „hohen körperlichen Herausforderung“ berichtete Teichert. Das Fehlen seines Mitspielers bedeute, dass er mehr Verantwortung übernehmen musste. „Die Belastung ist noch höher“, kommentierte Niclas Reinhardt, den Jungandreas mit dazu auserkoren hatte, die personelle Lücke zu schließen.
Reinhardt ist in der Deckung eine Bank, allerdings kamen seine Vorzüge auf den Außenpositionen nicht wie gewohnt zum Tragen. Abwehrspezialisten brauchen im laufintensiven System von Jungandreas regelmäßig Pausen. Bemerkbar machte sich auch, dass mit Vincent Viehweger und Niklas Zierau seit Beginn der Spielzeit zwei Sportler verletzt fehlen, die extrem stark gerade in der Deckung sind. Da ist es denkbar, dass Jungandreas in den kommenden schweren Duellen in Pirna, gegen Halle und den HC Burgenland auf Akteure aus der zweiten Mannschaft zurückgreifen wird, etwa Malte Wächter.

Ob es an Seiferts Zwangsabwesenheit auf dem Parkett lag oder auch daran, dass laut Jungandreas „ein paar meiner Spieler in letzter Zeit krank oder leicht angeschlagen waren“, der Abwehr-Auftakt gegen die Grün-Weißen war jedenfalls zäh. Da taten sich in der Verteidigung, sonst das Prunkstück der Concorden, ungeahnte Lücken auf. Wittenberg trat im Stile eines hartnäckigen Verfolgers des amtierenden Meisters auf und nicht wie ein Team, das um den Klassenerhalt kämpft. So führten die Gäste Mitte der ersten Halbzeit sogar mit einem Tor (10:9). „Wir haben uns zu viele Fehler erlaubt“, bemerkte Torjäger Tom Hanner. „Es war manchmal schon ein bisschen holprig“, ergänzte Jungandreas.
 
Die Stärke des NHV zeigte sich jedoch darin, dass er nach und nach die Oberhand zurückgewann. Vor allem die Deckung festigte sich und ließ bis zum Seitenwechsel nur noch fünf weitere Gegentreffer zu. Mit 19:15 ging es für die Hausherren in die Kabine.

Im zweiten Abschnitt „hat Wittenberg uns lange das Leben schwer gemacht“, räumte Jungandreas ein. Weshalb Gäste-Coach Martin Strnad sich „mit unserer Leistung gegen die beste Mannschaft der Liga zufrieden“ zeigte. In den letzten zweieinhalb Minuten verdoppelten die Concorden den Vorsprung auf acht Treffer. „Wir haben schon bessere Spiele gemacht“, meinte Tom Hanner selbstkritisch. Der Sieg sei „etwas zu hoch ausgefallen“.

NHV Delitzsch: Neuhäuser, Alpers, Ramos Schwirtz; Amtsberg (4), Prautzsch (3), Eckart (5), Bielicki (1), Birke (1), Schmidt, Oehlrich (5), Griehl (5), Hanner (7), Raab, Reinhardt (3), Teichert (2).

Ulrich Milde / 02.03.2026 / Leipziger Volkszeitung

📸 Jens Teresniak