Der Vorstand des NHV Concordia Delitzsch arbeitet hart daran, den Aufstieg in die dritte Liga zu realisieren. Dafür muss der Etat jedoch kräftig erhöht werden. Der Verein befindet sich deshalb in optimistischen Gesprächen mit den Unterstützern.

 
Die Experten sind sich einig. „Der NHV Concordia Delitzsch ist ein Drittligist“, meinte vor einiger Zeit Ostdeutschlands Handball-Trainer-Legende Uwe Jungandreas. Der Klub gehöre „nicht in diese Staffel“, er würde auch in der dritten Liga eine gute Rolle spielen, formulierte es kürzlich Christian Herrmann, Trainer des Regionalligisten SV Oebisfelde. Zuvor hatte seine Mannschaft bei den Concorden deutlich mit 29:41 verloren. Tatsächlich ziehen die Nordsachsen einsam ihre Kreise an der Tabellenspitze, die Verteidigung des Meistertitels zeichnet sich deutlich ab.

Sollte das klappen, stehen die Chancen besser als nach Ablauf der vorigen Saison, den Aufstieg auch wahrzunehmen. Damals wurde auf den Sprung in die höhere Liga verzichtet, weil die wirtschaftlichen Bedingungen nicht gegeben waren. „Aus Sicht der Spieler ist die dritte Liga absolut ein Thema“, sagt nun Vereins-Vizepräsident Sören Raab. „Wir sind mit unseren Sponsoren in guten Gesprächen, um das zuzubekommen.“ Das Führungsgremium „zieht alle Register“, um den Traum zu verwirklichen. „Die endgültige Entscheidung wird unser Vorstand im Januar treffen“, kündigt Raab an.
Nach Informationen der LVZ haben einige der Unterstützer bereits zugesagt, mehr Mittel zur Verfügung zu stellen. Schließlich müsste im Falle des Falles der Etat kräftig erhöht werden. Zum Vergleich: Der SV Plauen-Oberlosa verfügt Berichten zufolge über einen Haushalt von 250.000 Euro, der EHV Aue, der seit Saisonbeginn von Uwe Jungandreas angeleitet wird, liegt deutlich darüber.
Imponiert hat das Präsidium des NHV die Hinrunde. Der Kader um Chefcoach Jan Jungandreas hat von den 15 Begegnungen 14 gewonnen, musste sich nur in der ersten Partie gegen Rot-Weiß Staßfurt beim 29:29 mit einem Unentschieden begnügen. Die letzte Niederlage ist schon lange her, sie gab es in der vorigen Saison am 10. Januar 2025 in Köthen mit einem 27:30. Seitdem dominieren die Concorden das Geschehen. „Das ist beeindruckend“, kommentiert Raab.
Junge Spieler bekommen ihre Chance
Klar ist auch, ein Großteil der Mannschaft einschließlich Chefcoach Jan Jungandreas wollen in der kommenden Spielzeit in der dritten Liga antreten. Zuvor muss allerdings Platz eins verteidigt werden. „Das ist ein langer Weg“, mahnt Mannschaftskapitän Max Amtsberg. „Bei sechs Punkten Vorsprung kann noch viel passieren“, weiß auch Jungandreas.
Aber Optimismus ist angebracht, der Titelverteidiger ist auf gutem Kurs. Durch die vielen Erfolg „haben wir an Selbstvertrauen gewonnen“, so der Übungsleiter. Mit der Folge, dass auch kleine Rückschläge während der Partien „uns ebenso wenig aus dem Konzept bringen wie Ausfälle von Spielern“. So machten Torjäger Tom Hanner, Kreisläufer Thomas Oehlrich und Außen Niclas Reinhardt etwa aus Krankheitsgründen nicht alle Begegnungen mit. Linksaußen Vincent Viehweger musste wegen seiner Fußverletzung die komplette Hinrunde passen.

Dazu führt Jungandreas, der Bessermacher, wiederholt junge Spieler an die ersten Männer heran. Jason-Luca Richter, Espen Raab, Yannick Sittner, Malte Wächter und Torwart Axel Ramos Schwirtz haben ihre Chancen bekommen und durchaus genutzt. „Dieses Konzept wollen wir weiterverfolgen“, kündigt der Trainer an.

Die überragende Form und geschlossene Mannschaftsleistung (Routinier Georg Eulitz: „Der Teamgeist ist unsere große Stärke“) führt Jungandreas vor allem darauf zurück, „dass der Kern seit fünf, sechs Jahren zusammen ist und die Mannschaft nur punktuell verstärkt wurde“. Ein kontinuierlicher Aufbau also. Die damals noch jungen Spieler wie Amtsberg „haben an Erfahrung und Reife deutlich zugelegt“. Bei Neuzugängen wurde zudem auf die charakterlichen Eigenschaften geachtet. „Wenn das stimmt, kann man im sportlichen Bereich ein paar Abstriche machen“, betont der Coach.
Ihm ist es gelungen, einen Kader zusammenzustellen, in dem ein Rädchen fast schon automatisch ins andere greift. Wenn die Sportler hochkonzentriert agieren, ist die Abwehr kaum zu überwinden. Und im Angriff hat das Positionsspiel deutlich zugelegt. Schnelle Konter sind ein Markenzeichen der Concorden. Angesichts der guten Breite im Kader „müssen die Spieler um ihre Einsatzzeiten kämpfen“, berichtet der 38-Jährige von einer hohen Trainingsintensität.

„Wir wollen keinen Stillstand und sind noch nicht im Zenit unseres Könnens.“
Jan Jungandreas (Trainer NHV)

Geht es nach ihm, dann wird sein Team noch besser, schließlich soll jede Auseinandersetzung gewonnen werden. „Wir wollen keinen Stillstand und sind noch nicht im Zenit unseres Könnens.“ Gute Vorzeichen also bei einem möglichen Aufstieg.
Ulrich Milde / 26.12.2025 / Leipziger Volkszeitung