Mit Torwart Nummer drei fegt Handball-Regionalligist NHV Concordia Delitzsch den HC Burgenland aus der Halle. Für zusätzliche Motivation sorgten Aussagen des Gegners vor dem Spiel.


 
Er ist in der Hierarchie die Nummer drei. Doch da Max Neuhäuser erkrankt und Denny Alpers nach überstandenen gesundheitlichen Problemen noch nicht ganz fit war, stand Axel Ramos Schwirtz vom Anpfiff weg am Samstag zwischen den Pfosten des Handball-Regionalligisten NHV Concordia Delitzsch. Der als großes Talent geltende Deutsch-Argentinier war am Vortag 22 Jahre alt geworden und bereitete sich das schönste Geburtstagsgeschenk selbst. Die Nordsachsen fegten in einer meisterlichen Machtdemonstration Drittliga-Absteiger HC Burgenland mit 35:24 aus der mit 600 Zuschauern gut gefüllten Mehrzweckhalle und bleiben mit nun 19:1 Zählern an der Tabellenspitze.

„Er hat ein gutes Spiel gemacht“, lobt NHV-Trainer Jan Jungandreas seinen Schlussmann, der gleich den ersten Wurf der Gäste per Fußabwehr parierte und insgesamt jedem dritten gegnerischen Ball das Überschreiten der Torlinie verwehrte. „Er hat das super gelöst“, freute sich auch Alpers über die Leistung des Studenten der Sportwissenschaften. „Wenn einer bei uns ausfällt, kommt eben ein anderer Spieler rein, ohne dass wir einen Qualitätsverlust haben.“ Alpers selbst kam in den letzten zehn Minuten zum Einsatz, Ramos Schwirtz erhielt seine verdiente Pause. „Er hat seine Chance genutzt“, formulierte es Mannschaftskapitän Max Amtsberg.

Der in Buenos Aires geborene Keeper, der vor zwei Jahren nach Delitzsch kam, freute sich darüber, dass Jungandreas „mir das Vertrauen geschenkt hat“. Zugleich gab der Torverhinderer die Komplimente an die eigene Defensive weiter. „Eine so starke Abwehr macht es dem Torhüter einfach.“

Tatsächlich erwies sich die Verteidigung von Anpfiff weg hochkonzentriert, legte eine riesige Laufarbeit hin und machte es den Naumburgern schwer, zum gezielten Torwurf zu kommen. So lag der amtierende Titelträger Mitte des ersten Durchgangs bereits mit 12:4 in Führung. Da schmerzte auch der vorübergehende Ausfall von Amtsberg nach einem harten Foul von Vuk Cetnik (er sah dafür die rote Karte) kaum.

 
Zumal sein Vertreter Jacob Birke bei gegnerischen Kontern überaus aufmerksam war, mehrere Pässe abfing und mit vier Treffern glänzte. „Wir wollten Burgenland richtig deutlich besiegen“, sagte er und bezog sich auf Äußerungen von Naumburgs Torjäger Hannes Rabe, der den NHV als „meistermüde“ bezeichnet hatte. „Das hat uns zusätzlich motiviert.“ Sein Team „hat es durchgezogen“, ergänzte Niclas Reinhardt. Die Concorden seien „die beste Mannschaft der Liga“, zollte HCB-Schlussmann Marian Voigt, ein ehemaliger Delitzscher, dem NHV Respekt.
Dem mittelfristigen Ziel, in die dritte Liga aufzusteigen, ist Delitzsch zumindest finanziell einen Schritt nähergekommen. Das 1992 gegründete IT-Unternehmen Eset aus Bratislava (700 Millionen Euro Umsatz, 2500 Beschäftigte weltweit) hat einen Sponsorenvertrag unterschrieben. Die Slowaken sind seit sechs Jahren auch Partner von Borussia Dortmund und bekannt für ein langfristiges Engagement.

NHV: Alpers, Ramos Schwirtz; Eulitz, Seifert (1), Richter (1), Amtsberg (4), Prautzsch (2), Eckart (5), Bielicki, Birke (4) Oehlrich (2), Griehl (2/2), Hanner (8), Reinhardt (3), Teichert (3).

Ulrich Milde / 10.11.2025 / Leipziger Volkszeitung