Der NHV lässt sich nach dem Sieg beim HC Burgendland von reichlich Anhängern auf der Tribüne feiern.

Quelle: Jens Teresniak
Die Regionalliga-Handballer aus Delitzsch setzen sich beim Drittligaabsteiger HC Burgenland souverän durch. Trainer Jan Jungandreas („Wir gehen auf dem Zahnfleisch”) griff dabei in die personelle Trickkiste.
Tom Hanner winkte ab. Von Wiedergutmachung könne keine Rede sein, sagte der Torjäger des Handball-Regionalligisten NHV Concordia Delitzsch. Zwar hatten die Nordsachsen zuletzt zwei Mal in Folge verloren, „aber das kann passieren“. Trainer Jan Jungandreas sah das genauso. „Das gehört dazu.“ Sie konnten sich diese Einschätzung leisten: Denn der Spitzenreiter gewann am Samstag beim HC Burgenland mit 38:34 und kämpfte sich mit einer überzeugenden Leistung aus dem kleinen Tief heraus.
Der amtierende Meister hat nun 45:5 Punkte, sechs mehr als der Zweite, der HC Elbflorenz II. Holen die Concorden in den fünf noch ausstehenden Partien fünf Zähler, sind ihnen Titelverteidigung und das Aufrücken in die dritthöchste Spielklasse nicht mehr zu nehmen.
„Delitzsch wird verdienter Meister und Aufsteiger“, nahm Burgenland-Coach Fabian Kunze die kommenden Ereignisse schon vorweg. Es handele sich um eine „absolute Spitzenmannschaft“. Sein Verein werde versuchen, „auf dieses Niveau zu kommen“, kündigte er an.
Jungandreas hatte dabei in die personelle Trickkiste gegriffen, um sein Team wieder auf Kurs zu bringen. So brachte er zum Start in Burgenland mit Axel Ramos Schwirtz den dritten Torwart – eine Konsequenz aus den nicht überragenden Leistungen von Max Neuhäuser und Denny Alpers in den beiden verlorenen Begegnungen. Der 22-jährige Deutsch-Argentinier machte seine Sache ordentlich und war bei zwei Strafwürfen unüberwindbar. Später kamen Neuhäuser und Alpers zum Einsatz und zeigten sich deutlich verbessert.
Zu den Langzeitverletzten Vincent Viehweger und Niklas Zierau kam jüngst Martin Bielicki (Schulter) hinzu. „Ich muss operiert werden“, berichtete der Linksaußen, für den die Saison gelaufen ist. Zuvor war schon Niklas Seifert mit einem Mittelfußbruch ausgefallen. „Wir gehen personell ein wenig auf dem Zahnfleisch“, stöhnte Jungandreas.
Den Ausfall des wichtigen Kreisläufers kompensierte er dadurch, dass Max Amtsberg nach langer Zeitz defensiv in den Mittelblock gestellt wurde. „Ich wurde da hineingeworfen“, schmunzelte der Mannschaftskapitän, der in der Verteidigung überzeugte und trotzdem noch die Kraft fand, neun Tore zu erzielen. „Durch die Ausfälle sei das Team „noch stärker zusammengerückt“, meinte er.
Lockerheit und Leichtigkeit hatte sich der NHV nicht nur vorgenommen
„Wir waren sehr motiviert“, sagte Amtsberg. „Wir hatten uns Lockerheit und Leichtigkeit vorgenommen und das auch umgesetzt“, kommentierte Tobias Karl, Stammspieler der zweiten Herren, der zu seinem ersten Einsatz in dieser Spielzeit in der Regionalliga kam. „Ich freue mich, wenn ich helfen kann.“ Das alles war dem NHV von Anpfiff weg anzumerken. Die Abwehr „stand wesentlich besser“ als zuletzt, meinte Hanner. Mehrere Ballgewinne wurden erfolgreich in schnelle Konter umgesetzt – in der 19. Minute lagen die Concorden deutlich mit 14:7 vorne und behaupteten diesen Vorsprung mit dem 21:14 zur Halbzeit.
So einen großen Rückstand „kann man gegen eine Mannschaft wie Delitzsch nicht aufholen“, gestand HCB-Spieler Nicolas Neumann. Im zweiten Durchgang habe der Gast „sich auf der Führung nicht ausgeruht, sie aber verwaltet etwa durch länger ausgespielte Angriffe“, sagte Kunze. Für die dritte Liga drücke er dem NHV die Daumen.
„Wir haben prinzipiell einen guten Kader“, ergänzte Jungandreas. „Die Jungs haben mega Bock darauf.“ Ziel sei der Klassenerhalt. Und der kann nach Kunzes Einschätzung gelingen. „Mit den Stammspielern ist das für Delitzsch zu schaffen.“ Sollte es aber Verletzte geben, „wird es schwer.“ Kunze weiß, wovon der spricht. In der vorigen Saison lief Burgenland in der dritten Liga auf und schaffte den Klassenerhalt nicht.
NHV Concordia Delitzsch: Neuhäuser, Alpers, Ramos Schwirtz; Karl, Amtsberg 9, Prautzsch 3, Eckart 9, Birke, Schmidt, Oehlrich 3, Griehl 2, Hanner 8, Reinhardt 4, Teichert
Text: Ulrich Milde/ 23.03.2026 / Leipziger Volkszeitung
Foto: Jens Teresniak
