Sprachlosigkeit und Ernüchterung haben sich beim NHV Concordia Delitzsch nach dem Spiel gegen den USV Halle breitgemacht. „Wir müssen jetzt sehr aufpassen, dass unser Saisonziel nicht verloren geht“, mahnt Co-Trainer Sven Griehl.

Sven Griehl war die Ernüchterung anzusehen und anzuhören. „Ich bin ein bisschen sprachlos“, kommentierte der Co-Trainer des Handball-Regionalligisten NHV Concordia Delitzsch die Partie gegen den USV Halle. Denn die Krise ist offenkundig da. Die Nordsachsen unterlagen am Sonnabend mit 28:29 und kassierten damit die zweite Niederlage in Folge. Zudem endete eine imponierende Serie. Es handelte sich um den ersten doppelten Punktverlust in der Mehrzweckhalle seit dem 23. November 2024. Damals zogen die Nordsachsen gegen die SG Pirna mit 24:27 den Kürzeren. Trotzdem bleibt der NHV mit nun 43:5 Zählern (das ist ein Minuspunkt mehr als in der vorigen Meistersaison) auf Titelverteidigungskurs.

Griehl machte Defizite defensiv wie offensiv aus. „In der Abwehr haben die Spieler einander nicht geholfen“, kritisierte er. Und im Angriff seien zu viele Bälle weggeworfen worden. Kurzum: So kann ein Gegner, der über die kompletten 60 Minuten das hohe Delitzscher Tempo mitging (Griehl: „Damit habe ich nicht gerechnet“), nicht bezwungen werden. „Wir hatten am Ende ein bisschen mehr Wurfglück“, räumte bescheiden USV-Übungsleiter Jan Bernhardt ein. Auch Delitzsch hätte gewinnen können.

Ziel der Concorden ist der Aufstieg in die dritte Liga. Wackelt der nun? „Nein“, antwortete im Brustton der Überzeugung Torwart Max Neuhäuser. „Wir müssen weiter auf uns schauen und in den nächsten Spielen besser auftreten“, forderte der 33-Jährige. „Wir sollten im Training eine Schippe drauflegen“, verlangte Tom Hanner, der mit seinen elf Treffern gegen seinen vorherigen Klub zum besten Torschützen des Abends avancierte. Wenn das Team „weiter hart arbeitet, dann wird es auch wieder besser“. Mahnende Worte fand Griehl: „Wir müssen jetzt sehr aufpassen, dass unser Saisonziel nicht verloren geht.“

Tatsächlich zeichnete sich die Schwächephase des Spitzenreiters bereits im Februar in Köthen ab. Da schienen die Concorden die HG an die Wand zu spielen und führten nach acht Minuten mit 8:2. Herauskam aber nur ein denkbar knapper 32:31-Erfolg. Auch danach gegen Grün-Weiß Wittenberg war von der zuvor über lange Zeit präsentierten Souveränität und deutlichen Überlegenheit wenig zu sehen. Der 36:28-Erfolg wurde erst in den Schlussminuten zu einer klaren Angelegenheit. Es folgten die zwei Schlappen in Pirna und gegen Halle.

„Wir haben unsere Leichtigkeit verloren“, konstatierte Griehl. Hanner meinte, das Selbstvertrauen der vergangenen Monate sei verloren gegangen. Mit Konsequenzen. Die Offensive vergab in den vergangenen Begegnungen ein paar hundertprozentige Chancen zu viel, die Abwehr, sonst das Prunkstück, offenbarte ungeahnte Schwächen. Obendrauf kamen „viele technische Fehler“, registrierte Routinier Benedikt Schmidt und folgerte: „Wir schlagen uns selbst.“

Griehl verwies als eine mögliche Ursache auf Verletzungsprobleme. Gegen Halle erwischte es Linksaußen Martin Bielicki, der sich die Schulter auskugelte. Der eminent wichtige Kreisläufer Niklas Seifert fehlt seit einigen Wochen mit einem Mittelfußbruch bis Saisonende, Vincent Viehweger und Niklas Zierau standen in dieser Spielzeit noch keine Sekunde auf dem Parkett. „Das Zuschauen tut weh“, sagte Seifert, der an Krücken in die Halle humpelte. Leichter wird es für den NHV am kommenden Wochenende jedenfalls nicht. Da steht die Auswärtspartie bei Drittligaabsteiger HC Burgenland an.

NHV: Neuhäuser, Alpers; Amtsberg (3), Prautzsch (2), Eckart (2), Bielicki, Birke (1), Schmidt (1), Oehlrich (3), Griehl (3), Hanner (11), Raab, Reinhardt (2), Raab, Teichert.

Ulrich Milde / 16.03.2026 / Leipziger Volkszeitung