Abgeräumt: Niklas Reinhardt und der NHV Delitzsch kassieren in Pirna die erste Saisonniederlage.

Serie von 35 Spielen endet: Völlig unerwartet verliert der NHV Delitzsch bei der SG Pirna/Heidenau. Anschließend fallen von Spielern und Trainer allerhand kritische Worte.
 
Max Amtsberg ging alleine und nachdenklich durch die Halle. Ohne jemanden zu bemerken, eilte Denny Alpers durch eine Seitentür ins Freie. Ungewohnte Szenen für die so siegesgewohnten Regionalliga-Handballer des NHV Concordia Delitzsch. Zuvor hatten sie am Samstag bei der SG Pirna/Heidenau mit 27:30 verloren – die erste Schlappe seit 14 Monaten, als das Team bei der HG Köthen ebenfalls mit 27:30 unterlag. Dazwischen liegt saisonübergreifend eine beeindruckende Serie von 35 Spielen, von denen 34 gewonnen wurden und es lediglich gegen Rot-Weiß Staßfurt ein 29:29-Unentschieden gab.

Trotzdem bleibt der NHV mit 43:3 Zählern auf Meisterkurs, der Vorsprung des Tabellenführers auf den zweitplatzierten HC Elbflorenz II beträgt weiterhin acht Punkte. Denn die Dresdner mussten sich in eigener Halle dem Drittligaabsteiger Anhalt Bernburg mit 30:31 geschlagen geben. „Die verlorenen zwei Punkte werden die Mannschaft nicht umhauen“, verbreitete Concordia-Chefcoach Jan Jungandreas gleich wieder Optimismus. „Nächstes Wochenende werden wir erfolgreicher auftreten“, kündigte Amtsberg an. Sieben Partien stehen insgesamt noch an. Wenn Delitzsch sieben Punkte holt, ist dem Klub auch rein rechnerisch der Aufstieg nicht zu nehmen.

„Immer wieder Pirna“, ärgerte sich der Trainer. Denn die SG ist seit Jahren so etwas wie ein Angstgegner der Nordsachsen. In den vergangenen 17 Duellen setzten sie sich lediglich fünf Mal durch. „Pirna ist ekelhaft zu bespielen“, sagte mit Dominik Eckart einer, der es wissen muss. Denn der Rechtsaußen wechselte im Sommer 2024 von den Rand-Dresdenern nach Delitzsch. Der Gegner zeichne sich generell durch eine harte Abwehrarbeit aus. „Wir wussten, dass es schwer wird“, so der 24-Jährige. „Wir wollten die Partie auf alle Fälle gewinnen“, berichtete Max Amtsberg. „Aber wir sind an uns selber gescheitert“, meinte er Mannschaftskapitän, der mit sieben Treffern erfolgreichster Schütze des Abends war.

Tatsächlich „waren es viele Kleinigkeiten, die unseren Erfolg verhindert haben“, haderte Jungandreas. So wurden zahlreiche Torgelegenheiten vor 450 Zuschauern (Saisonrekord für Pirna) nicht genutzt. „Unsere Chancenverwertung war schlecht“, sagte Eckart und schloss sich selbstkritisch mit ein. Selbst klarste Würfe, wenn ein Delitzscher Sportler frei vor dem guten gegnerischen Schlussmann Philipp Ihl auftauchte, wurden zu häufig nicht genutzt. „Pirna hatte die bessere Torwartleistung“, räumte Jungandreas ein. Doch auch die Abwehr, sonst das Aushängeschild des NHV, zeigte ungewohnte Schwächen. Zu häufig taten sich große Lücken auf, die vom Heimverein konsequent ausgenutzt wurden. „Wir waren in der Defensive nicht schnell genug, um dem Mitspieler zu helfen“, bemängelte der Übungsleiter, der auch einige Fehlpässe zu viel registrierte.
„Die Gastgeber waren einen Tick besser“, gestand er ein. „Es war ein Top-Spiel von uns“ freute sich Pirnas Trainer Dusan Milicevic. Seiner Mannschaft, die vor einer Woche noch beim HC Aschersleben mit 19:23 den Kürzeren zog, „fehlt noch die Konstanz“, so der frühere serbische Nationalspieler. Delitzsch dagegen trete sehr beständig auf, sei das beste Team der Liga „und wird aufsteigen“.

NHV Delitzsch: Neuhäuser, Alpers; Richter, Amtsberg (7), Prautzsch (2), Eckart (4), Bielicki, Birke, Schmidt (1), Oehlrich (2), Griehl (3), Hanner (4), Reinhardt (3), Teichert (1), Wächter.

Ulrich Milde / 08.03.2025 / Leipziger Volkszeitung

📸 Jörg Weichelt