Der NHV Concordia Delitzsch um Maximilian Amtsberg gewann bei der HG Köthen knapp mit 32:31.

Nach teils zweistelligen Siegen in den vergangenen Wochen war das Team von Jan Jungandreas in Köthen richtig gefordert und gewann knapp mit 32:31. Der Aufstieg rückt damit immer näher.

 Es hatte oft den Eindruck einer lockeren Trainingseinheit. Da schlug Handball-Regionalligist NHV Concordia Delitzsch den HC Aschersleben mit einem Vorsprung von 15 Toren, den ThSV Eisenach gar mit 25 Treffern, beim Tabellenzweiten Dresden hieß es immerhin plus 13. Doch am Freitagabend bei der HG Köthen kam es anders. Vor 733 Zuschauern in der nahezu ausverkauften Ernst-Fricke-Sporthalle war es so spannend wie schon lange nicht mehr für den Tabellenführer. Der NHV gewann mit nur mit einem Tor Unterschied: 32:31 hieß es am Ende. Gleichwohl bleiben die Nordsachsen mit 41:1 Zähler souverän an der Spitze, der Aufstieg in die dritte Liga rückt immer näher.
 
Die Gäste-Spieler jubelten nach dem Abpfiff, denn sie hatten mit Köthen noch eine Rechnung offen. Denn dort kassierten sie am 10. Januar 2025 beim 27:30 ihre letzte Niederlage überhaupt in der Regionalliga. In den folgenden saisonübergreifend 34 Partien wurde lediglich gegen Staßfurt ein Punkt abgegeben, alle anderen Begegnungen wurden mehr oder weniger klar gewonnen.

„Wir haben die Wiedergutmachung geschafft“, kommentierte denn auch NHV-Chefcoach Jan Jungandreas. Diese letzte Auswärtspleite habe an seiner Mannschaft genagt. Gleichwohl sei es eine „sehr schwere“ Auseinandersetzung gewesen.
Auf der Suche nach den Gründen dafür räumte Kreisläufer Niklas Seifert ein, dass phasenweise jeder Concorde „sein eigenes Ding“ gemacht habe. „Der letzte Schritt“ habe oftmals gefehlt, monierte Niclas Reinhardt, der vorwiegend in der Defensive eingesetzt wurde, aber zu wichtigen Zeitpunkten, als das Duell auf der Kippe stand, mit seinen insgesamt drei Treffern Delitzsch immer wieder voranbrachte. Sein Team sei in vielen Situationen im Angriff „nicht cool geblieben“, um gute Wurfpositionen herauszuspielen, befand Jungandreas.
Niclas Reinhardt war trotz der lange nicht mehr gezeigten Schwächen zufrieden. „Ich liebe solche Spiele.“ Der Meister benötige für kommende Aufgabe „solche Drucksituationen, daraus können wir viel lernen“. Sein Übungsleiter ergänzte, er sei froh, „dass wir einen richtigen Stresstest hatten“.

Dabei legte der Titelverteidiger in dem Hexenkessel, in dem sich die Fans beider Seiten mit Trommeln und lautstarker Anfeuerung ein ebenso stimmungsvolles wie ausgeglichenes Duell lieferten, los wie die Feuerwehr. In der achten Minute erhöhte Dominik Eckart auf 8:2, ein Kantersieg schien sich abzuzeichnen. „Wir haben den Anfang völlig verschlafen und zu viele technische Fehler gemacht“, ärgerte sich HG-Keeper Christian Kanzler. Danach entwickelte sich „ein Spiel auf Augenhöhe“, so Köthens Trainer Martin Lux. Das Heimteam kämpfte unermüdlich, der Gegner leistete sich Fehlpässe en Masse und trug mit unplatzierten Würfen dazu bei, dass Kanzler sich zum überragenden Akteur des Abends mauserte. „Er hat super gehalten“, lobte HG-Mannschaftsleiter René Nowak. Letztlich gelang es Delitzsch in den Schlussminuten, mit einigen Ballgewinnen ins Tempo und zu Toren zu kommen. „Da waren wir wieder da“, meinte Seifert. „Wir hatten vielleicht auch ein Quäntchen Glück“, räumte Reinhardt ein.
Für Köthens starken Kreisläufer Moritz Brodowski war trotzdem klar: „Delitzsch ist die beste Mannschaft der Liga“, so der frühere Concorde. Es handele sich „um ein eingespieltes Team“, lobte Nowak. Und das werde in der dritten Liga „gut mithalten“.

NHV : Neuhäuser, Alpers; Seifert (3), Amtsberg (4), Prautzsch (2), Eckart (5), Bielicki, Birke, Schmidt, Oehlrich (2), Griehl (6), Hanner (7), Reinhardt (3).

Text: Ulrich Milde / 22.02.2026 / Leipziger Volkszeitung

Foto: Jens Teresniak