Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte: Jan Jungandreas, Trainer des NHV Concordia Delitzsch, setzt bei der Vorbereitung auf den Gegner auf Videos. So auch beim SV Oebisfelde. Ein doppelter Punktgewinn ist fest eingeplant.

Vergangener Spieltag in der Handball-Regionalliga. In der Partie des SV Oebisfelde gegen den HC Aschersleben läuft die 36. Minute. SV-Kreisläufer Martin Danowski erhält einen Pass und verwandelt ihn zum 16:10. Oebisfelde gewinnt letztlich mit 30:29, sammelt wichtige Zähler im Kampf um den Klassenerhalt.
Jan Jungandreas, Trainer des Tabellenführers NHV Concordia Delitzsch, sieht sich am heimischen Schreibtisch am Laptop diese typische Szene des SV an und schneidet sie mit weiteren charakteristischen Situationen zusammen. Zugutekommt dem Meistercoach, dass die Heimvereine ihre Spiele aufzeichnen und die Videos allen Kontrahenten zur Verfügung stellen müssen.
„Ich schaue mir mindestens zwei Spiele des kommenden Gegners an – immer das letzte und das gegen einen Klub, dessen Spielweise unserer entspricht“, schildert Jungandreas seine Vorbereitung auf das Duell an diesem Sonnabend gegen den SV Oebisfelde. Der Anpfiff in der Delitzscher Mehrzweckhalle erfolgt um 19 Uhr. Doch bevor er sich auf den kommenden Kontrahenten konzentriert, analysiert der Übungsleiter erst das letzte Auftreten seines Teams, also den 29:20-Erfolg beim Vizemeister HSV Bad Blankenburg. Auch da sucht sich der 38-Jährige einige Momente aus. So entsteht ein Film, „der vier bis sechs Minuten lang ist“ und beim Abschlusstraining am Freitag dazu dient, den Kader auch visuell auf den nächsten Tag einzustimmen. Getreu dem Motto: Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte.
Den Einwand, diese akribische Vorbereitung sei in diesem Fall doch etwas übertrieben, lässt der Chefcoach nicht gelten. Auch wenn er natürlich weiß, dass der Gast auswärts noch ohne Punktgewinn ist, der NHV dagegen mit 27:1 Zählern ungeschlagen und souverän an der Spitze rangiert. „Wir bereiten uns auf jeden Gegner mit der gleichen Ernsthaftigkeit vor.“ Die Staffel ist eben insgesamt ausgeglichen, Überraschungen sind stets nicht ausgeschlossen. So hat der Zwölftplatzierte Oebisfelde vor wenigen Wochen dem Vierten, dem HC Elbflorenz II, mit 34:32 eine eher unerwartete Niederlage beigebracht.
Das letzte Spiel der Hinrunde „wird kein Selbstläufer“, warnt Jungandreas. Der SV „will uns ein Bein stellen, wir dürfen ihn nicht unterschätzen“. Besonders gefährlich sei die Kooperation zwischen Rückraum und Kreis. In den Einheiten in dieser Woche hat der Trainer seinen Kader bereits darauf eingestellt.
Gleichwohl gehen die Concorden, denen die Herbstmeisterschaft nicht mehr zu nehmen ist und die somit auf gutem Wege sind, den Titel zu verteidigen, mit breiter Brust in die Begegnung, das Selbstvertrauen ist groß. „Wir wollen uns ordentlich von unseren Fans in diesem Jahr verabschieden“, kündigt Jungandreas an. Ein doppelter Punktgewinn ist also fest eingeplant.
Unabhängig von den Ergebnissen der Videoanalyse „wollen wir unser eigenes Spiel durchsetzen, uns nicht nach dem Gegner richten“, sagt der Trainer. Was bedeutet, aus einer starken Abwehr heraus mit schnellen Kontern zu einfachen Toren zu gelangen. Was in dieser Saison bislang exzellent geklappt hat. Der NHV hat in den bisherigen 14 Spielen 480 Tore erzielt, also den erfolgreichsten Angriff der Liga. Und die Abwehr einschließlich der drei Torhüter Max Neuhäuser, Denny Alpers und Axel Ramos Schwirtz hat nur 366 Gegentreffer zugelassen. Auch das ist Staffelbestwert.
12.12.2025 / Ulrich Milde / Leipziger Volkszeitung
