Meister NHV Concordia Delitzsch hat Verfolger Elbflorenz Dresden II eiskalt abblitzen lassen. Dabei musste Trainer Jan Jungandreas wegen vier Ausfällen kurzfristig einen neuen Rechtsaußen aufstellen. Der erfuhr sechs Stunden vor Anpfiff von seinem Glück.

 
Karrieren können überraschend entstehen. Da rief Jan Jungandreas, Trainer des Handball-Regionalligisten NHV Concordia Delitzsch, am Sonntag um elf Uhr bei Yannick Sittner an und beorderte ihn nach Dresden zur Begegnung des Tabellenführers beim Zweiten, dem HC Elbflorenz II, das sechs Stunden später begann. Sittner kam zu seinem ersten Einsatz im Delitzscher Top-Team und trug seinen Teil dazu bei, dass die Nordsachsen souverän mit 39:26 gewannen und mit nunmehr 25:1 Punkten bereits sechs Zähler Vorsprung auf die Verfolger Rot-Weiß Staßfurt und Elbflorenz haben.

„Das hat Spaß gemacht“, kommentierte Sittner, der normalerweise für die zweite Mannschaft in der Verbandsliga aufläuft, seine Premiere. „Er hat super gespielt und sich mit seinen zwei Treffern auch belohnt“, freute sich Jungandreas über seine Personalentscheidung. Die war nötig geworden, weil mit Tom Hanner, Georg Eulitz, Niklas Reinhardt und Benedikt Schmidt gleich vier seiner Sportler ausfielen, die auf der rechten Seite eingesetzt werden. „Ich bin schon lange im rechten Rückraum dabei“, berichtete Sittner. „Ich weiß, was er kann“, hatte der Übungsleiter bei der Nominierung ein – zutreffendes – gutes Gefühl.

Auch die Rahmenbedingungen stimmten für den NHV in der Landeshauptstadt bei diesem Spitzenspiel, das angesichts drückender Überlegenheit der Gäste diese Bezeichnung nicht verdiente. Die Ballsportarena war fest in Delitzscher Hand. Zwei Drittel der Besucher sympathisierten mit den Concorden. Mit 356 Zuschauern verzeichnete das Perspektivteam Saisonrekord. Der bisherige Schnitt von 112 Gästen wurde deutlich überboten.

Trotz der deutlichen Pleite zeigte sich André Haber, Chefcoach des Zweitbundesligisten, der „um den Aufstieg mitspielen“ will und derzeit auf dem zweiten Rang liegt, mit seinem Nachwuchsteam zufrieden. „Wir legen eine gute Saison hin.“ Haber, der vier Jahre lang Trainer des Bundesligisten DHfK Leipzig war, mochte sich zum Gast aus Delitzsch nicht konkret äußern „Ich sehe den NHV das erste Mal in dieser Saison.“ Ein Lob verteilte er aber „an den gegnerischen Torwart“, an dem seine Spieler oft scheiterten. Den Namen nannte er nicht.
Gemeint war Max Neuhäuser, der allein im ersten Durchgang die Hälfte aller Würfe parierte und maßgeblich dafür sorgte, dass der amtierende Meister zum Seitenwechsel schon fast uneinholbar mit 20:10 in Führung lag. „Unsere starke Abwehr hat den Grundstein gelegt“, meinte der Keeper. Im zweiten Abschnitt kam er in der 39. Minute für Denny Alpers zurück auf die Platte, um dem besten Siebenmeterschützen der Liga, Henrique Bilhastre, Paroli zu bieten. Neuhäuser wehrte den Wurf ab. Das Kunststück wiederholte er in der 51. Minute und zog Bilhastre so den Zahn.

„Delitzsch hat das sehr gut gemacht“, gestand der Portugiese, der weiterhin die Torschützenliste der Staffel (101 Treffer) anführt. Vor allem der Concorden-Angriff habe immer wieder „Lücken in unserer Deckung gefunden und genutzt“. Neuhäuser glänzte nicht nur zwischen den Pfosten, sondern trug sich auch zweimal als Torschütze ins Protokoll ein mit Würfen über das ganze Feld in den leeren gegnerischen Kasten. „Wir haben im Stile einer Spitzenmannschaft dominiert“, kommentierte der 33-Jährige den souveränen und nie gefährdeten Erfolg. Die breite Brust sei noch breiter geworden.
Gute Aussichten also für den Meister, der am kommenden Sonntag bei Vizemeister HSV Bad Blankenburg antreten wird. Womöglich wieder mit Sittner. „Schauen wir mal“, sagte er. „Ich hoffe, dass ich einen guten Eindruck hinterlassen habe.“

NHV Delitzsch: Neuhäuser (2), Alpers; Seifert (5), Richter (1), Amtsberg (8), Prautzsch (3), Eckart (7), Bielicki, Birke (5), Oehlrich (1), Griehl (5), Sittner (2), Teichert, Wächter.
LVZ