Handball-Regionalligist NHV Concordia Delitzsch gewinnt in Wittenberg 

Delitzsch. Reformator Martin Luther soll an der Schlosskirche in Wittenberg seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel eigenhändig angenagelt haben. Souverän nagelte Jacob Griehl in der gut einen Kilometer vom Gotteshaus entfernten Stadthalle am Sonntag alle vier Strafwürfe für den Handball-Regionalligisten NHV Concordia Delitzsch ins Tor von Grün-Weiß Wittenberg. Der 23-Jährige trug so maßgeblich zum 33:27-Aufwärtserfolg des amtierenden Titelträgers bei, der mit 13:1 Punkten hinter dem HC Elbflorenz II (14:0) auf Rang zwei der Tabelle liegt. 

„Damit haben wir ein Statement gesetzt“, kommentierte Griehl den Erfolg. Er hat in dieser Spielzeit von seinen elf Siebenmetern zehn verwandelt, was einer Quote von knapp 91 Prozent entspricht. Ligaweit fanden bislang 80 Prozent dieser Würfe den Weg ins Tor. Griehl, der jetzt sein Masterstudium als Wirtschaftsingenieur an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) in Leipzig begonnen hat, ist es somit zumindest vorerst gelungen, eine Schwachstelle der Nordsachsen auszuwetzen. In der vergangenen Meisterspielzeit wiesen die Concorden hier eine unterdurchschnittliche Quote von 71,4 Prozent auf. 

„Da haben wir zugelegt“, sagte Griehl. Seine Laufbahn als souveräner Siebenmeterschütze hat er in der zweiten Mannschaft begonnen, als kein anderer Spieler so richtig wollte. „Das hat sich entwickelt.“ Jetzt legt er nach dem Training häufig eine kurze Sonderschicht ein und wirft zehn, fünfzehn Strafwürfe in allen möglichen Varianten nacheinander. 

In der Lutherstadt zeigte sich der NHV im ersten Abschnitt dabei weit weg von der Bestform. „Die Abwehr war ganz okay, aber im Angriff ging zu häufig der entscheidende Pass daneben“, erklärte Griehl den 10:12-Pausenrückstand. „Wir hatten zu viele technische Fehler und eine Wurfeffizienz von nur 46 Prozent“, ergänzte Trainer Jan Jungandreas. Schlussmann Max Neuhäuser habe „mit wichtigen Paraden“ einen höheren Rückstand verhindert. „Wir scheiterten an uns selbst“, haderte Mannschaftskapitän Max Amtsberg, der nach seiner Schulterverletzung immer besser in Gang kommt und seine Torjägerqualitäten aufblitzen ließ. 

Wie verwandelt kamen die Concorden aus der Kabine, legten einen 4:0-Lauf hin und übernahmen die Führung. Plötzlich ging es schnell und nicht gemächlich nach vorne. Dominik Eckart und Tom Hanner trafen nach Belieben, zeigten dem Gegner, wo der Hammer hängt. „Da haben wir den Vorsprung überlegen nach Hause gefahren“, sagte Griehl. „Wir waren nun deutlich effektiver im Angriff“, bemerkte Jungandreas. Es sei die „erwartet schwere Begegnung“ gewesen. Wittenberg sei besser als der letzte Tabellenplatz, meinte der Übungsleiter. 

Die Grün-Weißen bleiben damit weiter sieglos und Schlusslicht. Der Verein hatte wenige Tage vor der Partie gegen NHV Trainer Marco Hüls gefeuert. Sein Nachfolger, Martin Strnad, hat in den ersten Trainingseinheiten versucht, „die Mannschaft, die heute lange gut mitgehalten hat, kennenzulernen“, um zu schauen, welche Reformen er anschlagen muss, damit das Saisonziel geschafft werden kann: „Wir wollen die Klasse halten.“ 

NHV: Neuhäuser; Seifert (2), Richter, Amtsberg (5), Prautzsch (3), Eckart (8), Bielicki (1), Birke (1), Oehlrich (1), Griehl (5/4), Hanner (7), Reinhardt, Teichert. 

Ulrich Milde / 21.10.2025 / Leipziger Volkszeitung