Niklas Prautzsch ist Dreh- und Angelpunkt beim NHV. Auch Trainer Jan Jungandreas ist voll des Lobes. Am Samstag empfangen die Delitzscher den SV Oebisfelde.

Eine typische Angriffsaktion des Handball-Regionalligisten NHV Concordia Delitzsch sieht so aus: Die Abwehr fängt den Ball ab. Der wird sofort zu Niklas Prautzsch gespielt. Der 28-Jährige dribbelt im Höchsttempo nach vorne, setzt seine Mitspieler gekonnt in Aktion, so dass diese zum Torerfolg kommen. Im Positionsangriff gibt Prautzsch die Spielzüge vor. „Er ist der Kopf unserer Offensive“, skizziert Trainer Jan Jungandreas seinen Akteur, der sich in dieser Saison in bestechender Form präsentiert und einen erheblichen Teil dazu beigetragen hat, dass die Nordsachsen unangefochtener Tabellenführer (32:4 Zähler) sind – mit fünf Minuspunkten Vorsprung vor dem HSV Bad Blankenburg.
Der Denker und Lenker der Concordia-Attacken nimmt das Lob seines Übungsleiters gelassen: „Ich freue mich, wenn ich meinen Beitrag leisten kann.“ Sein Coach bescheinigt ihm zudem, torgefährlicher geworden zu sein. „Das macht es für die gegnerische Verteidigung noch schwerer“, hebt Jungandreas hervor. Tatsächlich hat Prautzsch, der in Delitzsch wohnt, hier das Handballspielen erlernte und später in der Jugend des SC DHfK Leipzig auflief, in dieser Saison bereits 39 Treffer erzielt. Beachtlich für jemanden, der seine Aufgabe in erster Linie darin sieht, seine Mannschaftskollegen in Szene zu setzen. „Ich achte nicht darauf, wie häufig ich treffe“, sagt Prautzsch. Wichtig sei, dass sein Team die Begegnungen gewinne. Seine Top-Leistung als Spielmacher führt er darauf zurück, „dass man mit den Aufgaben wächst“.
Oebisfelde hat einen der gefährlichsten Kreisläufer
Auf Prautzsch, der vor zehn Jahren nach Delitzsch zurückkehrte und der dienstälteste Aktive im Kader ist, wird es auch an diesem Samstag entscheidend ankommen. Natürlich ist der NHV in der Partie in eigener Halle gegen den SV Oebisfelde (19 Uhr) der klare Favorit. Doch der Aufsteiger dürfe nicht unterschätzt werden, mahnt der Gymnasiallehrer für Sport und Physik. Schließlich wolle jeder den Spitzenreiter schlagen. Ähnlich sieht das sein Trainer. Der Gast könne unbeschwert aufspielen, weil er nichts zu verlieren habe. Laut Kalkulation muss der SV, auf Rang elf liegend, die Punkte im Kampf um den Klassenerhalt woanders holen.
Oebisfelde hat mit Martin Danowski einen der gefährlichsten Kreisläufer der Staffel in den Reihen. Mit 117 Treffern liegt er auf Rang fünf der Torschützenliste. Und hat dabei von 56 Strafwürfen immerhin 47 verwandelt. Im Hinspiel war es den Concorden bei ihrem 35:25-Erfolg gelungen, den früheren Köthener und Plauener nahezu komplett aus dem Spiel zu nehmen. „Wir müssen hoch konzentriert sein“, fordert Jungandreas. Und versuchen, „über unser Tempospiel gegen die robuste Abwehr zu unseren Toren zu kommen“, ergänzt Prautzsch.
Prautzsch: „Teamgedanke steht im Vordergrund“
Auf dem Weg zum angestrebten Titel darf Delitzsch nach seiner Auffassung auch in den restlichen Auseinandersetzungen nicht nachlassen. „Wir müssen definitiv noch unsere Hausaufgaben machen“, spielt er auf die Duelle etwa bei der SG Pirna/Heidenau oder beim HSV Bad Blankenburg an.
Zuversichtlich stimmt ihn, dass im Kader ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl herrsche. „Der Teamgedanke steht im Vordergrund.“ Alle seien auch beim Training „mit Spaß und Freude“ dabei. Und wenn weiterhin Wille und Leidenschaft aufs Parkett gelegt werden, dann dürfte am 17. Mai nach dem letzten Punktspiel gegen die HG Köthen Mannschaftskapitän Max Amtsberg den Pokal in die Höhe stemmen. „Wir haben den Meistertitel definitiv verdient“, sagt Prautzsch schon jetzt.
Ulrich Milde / 07.03.2025 / Leipziger Volkszeitung
Foto: Jens Teresniak